Musikalischer Professor

 

Siegfried Heinrich wurde als erstem hohe Auszeichnung des Landes Hessen zuteil

 

Bad Hersfeld/Frankfurt. „Welche Ehrung hätten wir Ihnen noch zuteil werden lassen können?“, fragte Udo Corts, der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, am Mittwochabend in der Frankfurter Musikhochschule. Denn der Dirigent Siegfried Heinrich wurde im Laufe seines Lebens bereits mit zahlreichen landes-, bundes- und europaweiten Auszeichnungen bedacht, darunter Bundesverdienstmedaille und Bundesverdienstkreuz, Goethe-Plakette und Gustav-Mahler-Preis.

Aufgrund einer Novellierung des Hessischen Hochschulgesetzes im vergangenen Jahr ist es der Landesregierung möglich, den Titel „Ehrenprofessor“ zu verleihen. Und Siegfried Heinrich ist der erste, dem diese Auszeichnung zugedacht wurde. „Dieser Titel gibt am besten wieder, was Sie geleistet haben“ richtete der Minister in seiner Laudatio Worte an Heinrich.

In 2006 nur vier Ehrenprofessoren

Laut Udo Corts werden in diesem Jahr nur drei weitere Persönlichkeiten ernannt: Salomon Korn, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, der Unternehmer und Mäzen Carlo Giersch und der Unternehmer Ludwig Gerhard Braun aus Melsungen. „Wir werden mit diesem Titel zurückhaltend umgehen“, sagte Corts. Immerhin sei ein Kabinettsbeschluss notwendig, damit ein um Kultur und Gemeinwohl verdienter Mensch zum Ehrenprofessor werden könne.

Auf dem musikalisch-kulturellen Gebiet in Bad Hersfeld ist er nicht mehr wegzudenken: Siegfried Heinrich, ehemals Kantor der Stadtkirche, Initiator der Internationalen Bachtage, der Bad Hersfelder Festspielkonzerte, der Opernfestspiele und nicht zuletzt der geistige Vater des Johann-Sebastian-Bach-Hauses.

Nicht ganz un verdient ist der Titel wirklich: Heinrich unterrichtete im Laufe seines Berufslebens auch an der Musikakademie Kassel (heute Universität Kassel). Und nicht zuletzt leistet er als Dirigent bei seinen Proben immer pädagogische Arbeit.

„Es ist mir eine große Freude“, sagte Siegfried Heinrich in seiner Ansprache vor den geladenen Gästen. Jedoch sei dieser Titel nicht zu Stande gekommen, wenn ihm nicht stets zahlreiche ehrenamtliche Helfer, Konzert- und Opernbesucher sowie Sponsoren zur Seite gestanden hätten. Und nicht zuletzt seine Ehefrau Christa, mit der er seit 49 Jahren verheiratet ist. „Sie ist mir immer eine kluge Beraterin“, sagte Heinrich und Corts fügte an Christa Heinrich hinzu: „Sie haben Anteil an dem Professor.“

Stets durch Musik Brücken geschlagen

Corts lobte die große Vielfalt der Arbeit, mit der Heinrich die „Bad Hersfeld Festspiele um die Musik ergänzt“ habe. Er verstünde die Musik stets als Mittel, um Brücken zwischen Menschen zu schlagen, über den Eisernen Vorhang hinweg, aber auch in das restliche Europa. „In Bad Hersfeld ist Kultur kein weicher, sondern ein harter Wirtschafts- und Standortfaktor“, stellte der Minister fest. „Die Ehrenprofessur wird mich und alle Mitarbeiter beflügeln“, sagte Heinrich.

Direkt im Anschluss an die Verleihung reiste die Festgesellschaft in die nahe Kirche St. Albert, bei der Heinrich als Dirigent der Bach’schen „Johannes-Passion“ mit dem Frankfurter Konzertchor, dem Hersfelder Festspielchor und dem Marburger Konzertchor sowie dem Prager Bachorchester am Pult stand.

Heinrich möchte zukünftig nicht als „Professor Heinrich“ angeredet werden: „Wer das sagt, muss einen Euro für das Bach-Haus spenden“, scherzte er. Die Freude über diese Auszeichnung war ihm jedoch deutlich anzusehen, nicht zuletzt bei den Glückwünschen, unter anderem von Bürgermeister Hartmut H. Boehmer und Stadtverordnetenvorsteher Valentin Wettlaufer, die mit ihren Gattinnen extra zu Heinrichs Ehrung in die Frankfurter Musikhochschule gekommen waren.

Der erste Professor landeshalber: Von Minister Udo Corts (links) nahm Siegfried Heinrich die Ernennungsurkunde zum ersten Ehrenprofessor Hessens in der Frankfurter Musikhochschule entgegen.

Gratulationen: Rosemarie Zillinger, die Vorsitzende der „Musischen Bildungsstätte“ gehörte zu den ersten Gratulanten des neuen Professors Siegfried Heinrich.

Alle Fotos: Christopher D. Göbel

 

Prof. h.c. Siegfried Heinrich

Zur Person

Siegfried Heinrich wurde am 10. Januar 1935 in Dresden geboren. Seine ersten musikalischen Erfahrungen sammelte er als Kind im Dresdner Kreuzchor und bei Orgelunterricht. Bereits als zwölfjähriger leitete er Gruppenproben und agierte als Klavier- und Orgelbegleiter des Kreuzchores.

Nach dem Abitur wurde er aus politischen Gründen an keiner Musikhochschule der DDR aufgenommen und siedelte nach Frankfurt/M. über, wo er an der dortigen Musikhochschule als Stipendiat des Landes Hessen studierte.

Nach dem Studium arbeitete er unter anderem als Dozent an der Kasseler Musikakademie und von 1961 bis 2000 als Kirchenmusikdirektor der Stadtkirche Bad Hersfeld. Heinrich gründete unter anderem die Bad Hersfelder Festspielkonzerte (1961), die Internationalen Bachtage (1974) und die Bad Hersfelder Opernfestspiele (1980), deren Künstlerischer Leiter er seither ist.

Er ist Gründer und Künstlerischer Leiter des Hersfelder Festspielchores (1961), des Frankfurter Konzertchores (1969) und des Marburger Konzertchores (1970), des Arbeitskreises für Musik und der Musischen Bildungsstätte sowie zahlreicher weiterer musikalischer Gruppen und Institutionen. Zudem arbeitete er auf nationaler und internationaler Ebene als Dirigent und Gastdirigent mit zahlreichen namhaften Orchestern, Chören und Solisten zusammen.

Seit 49 Jahren ist er mit der Cembalistin und Organistin Christa Heinrich verheiratet. Er hat drei Kinder, die als Berufs- und Hobbymusiker arbeiten, und acht Enkelkinder.


(Von Christopher D. Göbel, Hersfelder Zeitung, 18. April 2006)